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Benjamin Merkler, geboren 1982, lebte 2002 bis 2007 in Köln, wo er Germanistik, Anglistik und Philosophie auf Magister studierte. Von 2007 bis 2009 studierte er an der Universität Heidelberg Anglistik, Philosophie und öffentliches Recht. Seit 2010 lebt er in Berlin und hat seine Promotion an der Technischen Universität Tallinn begonnen. Neben seinem Studium war er als Forschungsassistent sowie in einer PR/Marketing-Agentur tätig, schrieb gelegentlich Artikel und übersetzte. Zuvor war er schon in der Softwareentwicklung, in Marketing, Vertrieb und in der Gastronomie tätig. Privat trat er in seiner kölner Zeit ab und zu als Cressida Treulos (Travestie mit Livegesang) auf und stand im Bereich Kleinkunst und Comedy auf der Bühne. Überdies war er Protagonist in einem Dokumentarfilm.

Mittwoch, Juni 01, 2005

Brüh im Glanze dieses Lichtes, glühe deutsches Vaterland!

Peinlich!!! Da kann man Frau Connor, die diese Zeile frei nach Heinrich Hoffmann von Fallersleben, gestern in die deutsche Nationalhymne integrierte (und das, obwohl sie sich ja im Gegensatz zu früher nur eine Strophe merkeln musste), nur mit dem klassischen, immer wieder aus dem Zusammenhang gerissenen Satz eines anderen Heinrichs kontern: “Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht, ich kann nicht mehr die Augen schließen, und meine heißen Tränen fließen.”

Doch leider irrte sich Heine dann im weiteren Verlauf seiner Nachtgedanken, denn “das Vaterland wird nie verderben” ist heute ferner der Realität denn je und dank neuster politischer Entwicklung ist auch nichts mehr von seinem ‘französisch heitrem Tageslicht’ zu spüren.

Da brühen wir also hin, wir Deutschen. Und das noch zu einer Melodieführung unseres Liedes bei der sich der werte Herr Haydn wohl dermaßen schnell im Grab umdreht, dass man ihn gut als Kurbel für die deutsche Wirtschaft nutzen könnte.

Passend zum Schiller und Einsteinjahr zeigt sich mal wieder, dass wir nicht länger das Land der “Dichter und Denker” sondern, wenn man sich die diversen Nebenschauplätze der Politik betrachtet, vielmehr das der “Richter und Henker” sind. Wobei wir eigentlich um jeden Visa-Kandidaten froh sein können, denn er wird wahrscheinlich zumindest einen Kultur-beutel im Reisegepäck haben.

Gut, dass die Walhalla mit ausreichend Büsten ausgestattet ist, denn wenn es so weitergeht wie bisher, werden wohl in den nächsten Jahren keine großen Köpfe mehr dort Einzug halten. Mittlerweile sind auch unsere Freunde aus dem Land des Lächelns die einzigen, die bei einer Rheinfahrt noch um die Existenz der Loreley wissen, geschweige denn selbiges Lied singen können.

Aber ein Gutes hat das ganze dann ja doch: Die leidige Nachkriegsdiskussion, ob die Deutschen stolz sein dürfen auf ihr Land in Anbetracht der Ereignisse im 20. Jahrhundert, hat sich erledigt und es besteht mittlerweile nach Nationalstolz gar kein Bedarf mehr und die Thematik verpufft in der Luft wie die wärmenden Worte der zeitgenössischen Politiker.

Vielleicht sollten wir uns überlegen, ob wir nicht auch noch die 3. Strophe des Deutschlandliedes weglassen und Fallersleben ganz vergessen. Stattdessen könnten wir die wesentlich aktuellere 4. Strophe nehmen, die Albert Matthäi während der Ruhrbesetzung dichtete und die da lautet:

Deutschland, Deutschland über alles,

Und im Unglück nun erst recht.

Nur im Unglück kann die Liebe

Zeigen, ob sie stark und echt.

Und so soll es weiterklingen

Von Geschlechte zu Geschlecht

|: Deutschland, Deutschland über alles,

und im Unglück nun erst recht. :|

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Hmm, tolle Sache von Sarah Connor über Heine bis hin zu Grundgedanken über Deutschland zu kommen.

Mag ja sein, dass es wirklich sehr ungünstig ist, wenn sich Frau Connor vor knapp 10 Millionen Besuchern und Zuschauern bei der Nationalhymne versingt. Aber wer von uns hat sich nicht vor Aufregung mal verplappert oder sich früher im Musik-Unterricht versungen, weil man eine supergute Bewertung im Blick hatte.
Zugegeben, Sarah Connor ist Profi im Musikgeschäft. Dass ihr dennoch Fehler unterlaufen, zeigt jedoch, dass sie trotzdem ein Mensch wie du und ich geblieben ist. Und das lässt mich persönlich ruhiger schlafen.

12:15 AM  
Anonymous Anonym said...

Habe das auch nicht als direkte Kritik an ihr gesehen... schließlich ist sie ja nicht brünett... *bösegrins*
Aber konnte ich mir diese Gelegenheit nehmen lassen? Wollte doch mal wieder über den Niedergang der Bildung lästern... *fg*

12:59 AM  

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